Barfmethoden

Es gibt fast so viele verschiedene Methoden zu barfen, wie es Barfer gibt. Wenn man in die Rohfütterung einsteigen will, sollte man sich vorher über die verschiedenen Methoden schlau machen und selbst entscheiden, welche davon man umsetzen möchte.

Natürliche Supplemente nach Kalkulator

Zutaten: Die natürlichen Supplemente, die u.a. in diesem Wiki unter dem Menüpunkt Zutaten vorgestellt werden.

 

Zubereitung: Man nimmt die Nährwerte seiner Zutaten und Supplemente und eine Tabelle mit den Bedarfswerten seiner Katze und stellt seine Rezepte so zusammen, dass mit einer Tagesportion der Tagesbedarf an allen Nährstoffen gedeckt ist.

Klingt an sich einfach, ist angesichts der vielen zu beachtenden Nährstoffe aber eine komplexe Aufgabe.

Früher musste man die Zutatenmengen von Hand bzw. mit dem Taschenrechner ausrechnen, heute gibt es dafür verschiedene Kalkulatoren. Sehr empfehlenswert, da detailliert, leicht verständlich und mit umfangreicher Datenbasis, ist der Kalkulator von dubarfst.

 

Vorteile: Natürliche Supplemente -> natürliche Bioverfügbarkeit.

Vom Ansatz her macht der Kalkulator eigentlich das "perfekte Katzenfutter.

(Fast) jede Mahlzeit ist komplett und in sich ausgewogen - genau das, was Tierärzte wünschen.

 

Kritik: Kalkulatoren funktionieren nach dem GIGO-Prinzip:

garbage in, garbage out. Das heißt, sie können nur so gut sein wie die Datenbasis, die sie benutzen.

Leider gibt es nicht die allgemeingültigen, allgemein anerkannten Bedarfswerte für alle Katzen

(unterschiedliche Kalkulatoren = unterschiedliche Bedarfswerte = unterschiedliche Rezepte).

Und eine bestimmte Fleischsorte enthält auch nicht immer genau dieselben Nährstoffe in genau denselben Mengen, wie die Kalkulatordatenbank es uns vorspielt.

In der Praxis weiß man also doch nicht, ob man den Bedarf seiner Katze mit einem Kalkulatorrezept nun wirklich genau trifft. Unausgewogenheiten dürften sich zwar mit Wahrscheinlichkeit mit der Zeit zwischen den Rezepten ausgleichen, aber exakte Wissenschaft ist das nicht.

 

Außerdem umfasst auch die beste Datenbank nicht alle Fleischsorten - vor allem nicht die, die nicht regelmäßig vom Menschen verzehrt werden, aber im Tierfutter durchaus gängig sind (Kopffleisch, Hühnerhälse ...).

Natürliche Supplemente nach Grundrezept

Zutaten: Die natürlichen Supplemente, die u.a. in diesem Wiki unter dem Menüpunkt Zutaten vorgestellt werden.

 

Zubereitung: Hier werden die Supplemente nicht auf Bedarfs- und Nährwerte dosiert, sondern nur auf die Fleischmenge. Im Grundrezept sind die benötigten Supplemente für 1 kg beliebiges Muskelfleisch, einschließlich Herz und/oder Magen, angegeben; für sein eigenes Rezept muss man nur seine eigene Fleischmenge zusammenzählen und auf die restlichen Zutaten den Dreisatz anwenden.

Die dubarfst-Grundrezepte sind aus den Erfahrungen einiger natürlich supplementierender Barfer entstanden und geben Mittelwerte für viele verschiedene Fleischsorten an.

 

Vorteile: Natürliche Supplemente -> natürliche Bioverfügbarkeit.

Die Grundrezepte sind einfacher in der Handhabung als der Kalkulator.

 

Kritik: Da die Grundrezepte Mittelwerte angeben, sind sie auf keine einzelne Fleischsorte optimal abgestimmt. Wenn man sie über längeren Zeitraum ausschließlich füttert, sollte man daher die Fleischsorten - und wo es geht, auch die Supplemente, z.B. Lebersorten - so viel wie möglich abwechseln.

 

Es sind vielerlei Grundrezepte im Umlauf, und nicht alle sind so gut durchdacht und erprobt wie die von dubarfst. Als Einsteiger sollte man sich also schon ein wenig mit Nährstoffbedarf und Nahrungsmittelkunde auskennen, bevor man sich auf ein beliebiges Grundrezept einschießt - man muss z.B. merken können, dass ein Rezept, das auf 1 kg Fleisch 200 g Leber packt, nicht ganz richtig sein kann.

Fertig- und Kombisupplemente

Zutaten: Diverse Firmen bieten Fertigsupplemente an, die man einfach über das  Fleisch schütten soll und die dann (evtl. ergänzt mit weiteren Kombisupplementen oder einzelnen Zusätzen) der Katze alle Nährstoffe bieten sollen, die sie in Verbindung mit dem Fleisch braucht.

 

Zubereitung: Siehe oben.

 

Vorteile: Extrem einfache Handhabung, man muss sich über nichts mehr Gedanken machen. Besonders beim Einstieg ins Barfen können solche Supplemente helfen, Berührungsängste vor selbstgemachtem Katzenfutter bei Katze und Mensch abzubauen.

 

Kritik: Fertigsupplemente sind nicht nur genauso über verschiedene Fleischsorten "gemittelt" wie Grundrezepte. Sie sind auch (wenn überhaupt) zumindest nach anderen Bedarfswerten zusammengestellt, als man sie in der wissenschaftlichen Literatur findet. Es ist deshalb nicht immer so ganz klar, wie die Hersteller ihr Versprechen, das jeweilige Fertigsupplement sei wirklich komplett und ausgewogen, im Detail begründen wollen.

Es gibt sogar Fertigsupplemente, die man für Fleisch- und für Fertigfutterfütterung verwenden können soll, oder für Katzen und für Hunde - diese sind besonders skeptisch zu betrachten. Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind sie eher so dosiert wie Vitaminbrausetabletten aus dem Supermarkt, so dass man als Anwender kaum etwas überdosieren kann.

 

Dazu kommt die Frage nach der Bioverfügbarkeit: Viele Nährstoffe sind Fertigsupplementen nicht in der Form zugesetzt, in der sie in der natürlichen Nahrung der Katze vorkommen, sondern als synthetische Pülverchen. Inwieweit Katzen (oder auch Menschen) solche synthetischen Nährstoffe überhaupt verwerten können, ist umstritten.

 

Die meisten Fertigsupplemente sollte man deshalb nicht als einziges Supplement einsetzen, oder jedenfalls nicht länger als 6-12 Monate.

 

Details zu empfehlenswerten Fertigsupplementen findest du unter dem Menüpunkt Fertig-Supplemente.

Ganze Beutetiere (Prey Model)

Zutaten: Dieser Ansatz orientiert sich nicht an Bedarfs- und Nährwerten, die aus sterilen Laboren stammen, sondern an der natürlichen Beute der Katze. Man versucht also im Futter einen naturgemäßen Fleisch-, Innereien-, Blut- und Knochenanteil zu erreichen und mit möglichst wenig weiteren Zusätzen auszukommen.

 

Zubereitung: Der Königsweg wäre hier, tatsächlich nur komplette kleine Beutetiere (Nager, Kleingeflügel u.ä.) zu verfüttern. Da das in der Praxis oft nicht machbar ist und es zuwenig Angebot und Auswahl gibt, wird meist mit Fleisch, Innereien, Blut und Knochen größerer Tiere im gewünschten Mengenverhältnis ergänzt. Oder man verfüttert z.B. ein ganzes gewolftes oder kleingehacktes Huhn portionsweise.

 

Vorteile: Besonders naturnah. Um die Bioverfügbarkeit der einzelnen Nährstoffe muss man sich gar keine Gedanken machen, denn (fast) alles liegt in seiner natürlichen Form vor.

 

Kritik: Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass in Gefangenschaft gezüchtete und ernährte Futtertiere nicht die gleiche Zusammensetzung wie wild gefangene Beutetiere haben, z.B. was den Gehalt an B-Vitaminen und Omega-Fettsäuren betrifft. Weitere Nährstoffe gehen höchstwahrscheinlich bei der Tötung, beim Transport und bei der Lagerung der Futtertiere verloren.

 

Außerdem scheint die Maus das Tier mit dem höchsten Tauringehalt weit und breit zu sein - Taurin ist für Katzen lebenswichtig, wer wenig oder keine Mäuse füttert und kein Taurin ergänzt, wandelt also auf schmalem Grat. Manche Prey-Barfer verbreiten, dass z.B. Hühnerherzen genug Taurin enthalten würden, um den Bedarf zu decken. Nach allem, was man nachgemessen hat, ist das eine Fehlinformation. Herz ist zwar taurinreich, aber so taurinreich auch wieder nicht.

Es reicht also nicht, sich aufs Hörensagen und aufs Bauchgefühl zu verlassen, auch hier sollte man sich Zahlen ansehen und im Ernstfall nachrechnen.

"Pi-mal-Daumen"

Zutaten: Fleisch und Ergänzungen nach Bauchgefühl.

 

Zubereitung: Siehe oben.

 

Vorteile: Man muss sich nicht groß mit Informationen oder gar Zahlen auseinandersetzen. Wenn wir für uns selber eine ausgewogene Ernährung zusammenstellen können, ohne groß nachzurechnen oder Zutaten aufs Zehntelgramm genau abzuwiegen, warum dann nicht auch für unsere Katzen?

 

Kritik: Der gesunde Menschenverstand kann einen ganz schön aufs Glatteis befördern, wenn man ihn mit zuwenig Informationen über die speziellen Nahrungsbedürfnisse der Katze anreichert. Die meisten Probleme, die Tierärzte mit der Fütterungsmethode BARF haben, entstehen vermutlich durch Katzenbesitzer, die die Rohfütterung auf diese Weise angegangen sind. Sehr häufige Fehler sind z.B. zu geringer Calciumgehalt (nur Fleisch, keine oder zuwenig Knochen) und viel zu hoher pflanzlicher Anteil.

 

Bauchgefühl kann gut funktionieren, wenn man die speziellen Bedürfnisse von Katzen kennt und schon vorher über einen längeren Zeitraum genauer überlegte und berechnete Rezepte zusammengestellt hat, also ein in der Realität begründetes Gefühl für die benötigten Zutaten und Mengen entwickeln konnte. Komplette Neueinsteiger kann man vor dieser Methode nur warnen.

Zusammenfassung und Bewertung

Viele Leute, die Hunde-Barfen kennen und sich erstmals ans Katzen-Barfen wagen, stellen sich und dem Forum mehr oder weniger entgeistert die Frage, warum so viele Katzenbesitzer aus dem Barfen eine Wissenschaft machen wollen.

Kann man seine Katze nicht auch ausgewogen ernähren, ohne Supplemente und den ganzen Krams auf den letzten Fitzel genau abzuwiegen?

 

Die Frage ist hier, welche Maßstäbe man anlegt und wie man Ausgewogenheit misst.

Was bei Hunden anders ist als bei Katzen, und daher kommt wahrscheinlich auch die recht strenge Herangehensweise ans Katzenbarfen:

  1. Katzen sind reine, hochspezialisierte Carnivoren - Hunde können wenigstens innerhalb gewisser Grenzen auch aus Pflanzen Nährwert ziehen. Bei Katzen hat man also weniger Auswahl bzw. weniger Fallback bei der Frage, woher ein bestimmter Nährstoff kommen kann. Für Katzen ist auf Dauer und in größeren Mengen auch so einiges schädlich, was Hunde anscheinend besser vertragen, vor allem Stärke (verdauliche Kohlenhydrate) und Pflanzenöle.
  2. Katzen sind Einzeljäger und ernähren sich normalerweise immer von kompletten Beutetieren. Hunde bekommen von der größeren Beute, die sie im Rudel erlegt haben, mal diesen und mal jenen Teil ab. Das begründet die Forderung danach, dass Katzennahrung innerhalb kürzerer Zeitabstände alle Nährstoffe in der richtigen Menge enthalten sollte als Hundenahrung.


Und wie soll man Ausgewogenheit eigentlich messen, damit man überhaupt eine begründete Aussage darüber treffen kann, ob ein bestimmtes Futter oder eine Fütterungsmethode ausgewogen ist oder nicht?

  • Geht es nur darum, ob es der Katze offenbar gut geht, ob sie gesund und fit ist, ein schönes Fell und gute Muskelstruktur hat, sich bestehende Krankheiten durch die Ernährungsumstellung womöglich gebessert haben?
    Dann wäre wohl auch getreidelastiges Trockenfutter für etliche Katzen gesund, ausgewogen und ideal. Vom Studium der Physiologie und des Verdauungstrakts der Katze her muss man aber denken, dass das nicht sein kann.
    Zumal viele Katzenbesitzer (und Tierärzte!) gar keinen Vergleich haben, wie fit eine Katze wirklich sein kann, wie glänzend ihr Fell etc. - weil um sie herum alle Katzen mit der üblichen Mischung aus Supermarkttrocken- und -nassfutter gefüttert werden und ihr Allgemeinbefinden entsprechend ist. Sie merken schlicht nicht, dass es der Katze noch deutlich besser gehen könnte.
  • Oder will man's am Blutbild messen, ob katz mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist?
    Leider scheint es so zu sein, dass sich das Blut fehlende Nährstoffe quasi so lange aus dem restlichen Körper herauszieht, bis es nicht mehr geht. Die meisten Mangelerscheinungen merkt man also am Blutbild erst dann, wenn der Mangel schon wirklich schwer ist und lange andauert. Und einiges kann man am Blut wohl auch gar nicht sehen.
  • Oder nimmt man sich die klinischen Bedarfswerte als Vorbild und sagt, ein Futter, das diesen Bedarfswerten entspricht, ist ausgewogen und vollständig?
    Da ist erstens das Problem der Bioverfügbarkeit nicht berücksichtigt - ein Nährstoff kann fast ungenutzt durch den Körper durchrauschen, wenn er in die falschen Zutaten eingebunden ist - und zweitens, wenn man sich mal näher angeschaut hat, wie diese Bedarfswerte so ermittelt wurden, dann kommt man auch nicht umhin zu denken, dass das nicht die ultimative Wahrheit sein kann.


Fazit also: Man weiß nichts genau. Auch wenn im dubarfst-Forum und in diesem Wiki der Schwerpunkt auf dem kalkulator-basierten Barfen mit natürlichen Supplementen liegt, kann man sich der Wahrheit "ausgewogenes Katzenfutter" wahrscheinlich nur von verschiedenen Seiten aus annähern.

Es gibt genauso wenig die ultimative Barfmethode, wie es den ultimativen Nährstoffbedarf gibt - jedenfalls, solange nicht absolut zuverlässige Bedarfswerte für Katzen bekannt sind (die gibt es bis heute noch nicht mal für Menschen, wahrscheinlich ist das Konzept des fixen "Bedarfswerts" auch schon an sich irreführend), und solange nicht jeder sein eigenes Heimlabor für die biochemische Untersuchung und Bioverfügbarkeitsbewertung von Fleisch und anderen Zutaten hat.

 

Der Verfasserin erscheint somit (wie so oft) Abwechslung mehrerer Methoden als die beste Herangehensweise.

Das sieht in der Praxis z.B. so aus: Von 10 Rezepten, die ich verfüttere, sind etwa 5 natürlich supplementiert und mit dem Kalkulator durchgerechnet, 2 natürlich supplementiert nach Grundrezept (oft mit Knochen), 2 sind ganze Beutetiere (gewolft), und eines ist mit einem Fertigsupplement zubereitet.